Drei Wirkprinzipien, ein Ziel
Unterspritzungen sind nicht gleich Unterspritzungen. Unter der Haut lassen sich drei sehr verschiedene Dinge tun: Kollagen aufbauen, Hautqualität verbessern oder Volumen ersetzen. Welches Prinzip sinnvoll ist, ergibt sich aus der Untersuchung – nicht aus dem Wunsch nach einem bestimmten Produkt.
Mein Schwerpunkt liegt dabei auf den kollagenaufbauenden Verfahren. Sie verändern nicht die Form, sondern die Substanz des Gewebes – und genau das führt zu Ergebnissen, die niemandem als Behandlung auffallen.
Kollagenbooster – Aufbau statt Auffüllen
Kollagenbooster füllen nicht auf. Sie regen das Gewebe an, selbst wieder Kollagen zu bilden. Der Unterschied ist grundlegend: Ein Filler ersetzt verlorenes Volumen von außen, ein Kollagenbooster bringt den Körper dazu, es selbst wieder aufzubauen.
Poly-L-Milchsäure (Sculptra) wirkt rein stimulierend. Direkt nach der Behandlung ist kaum etwas zu sehen – das Ergebnis entsteht über mehrere Wochen. Genau darin liegt der Reiz: Die Veränderung geschieht so allmählich, dass sie dem Umfeld nicht auffällt. In der Regel sind mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen nötig, das Ergebnis hält entsprechend länger als ein Filler.
Calciumhydroxylapatit (Radiesse) verbindet beides: einen sofortigen Volumeneffekt und eine anschließende Kollagenstimulation. Es eignet sich besonders zur Straffung und Konturierung – an Kieferlinie, Hals, Dekolleté oder Handrücken.
Polynukleotide (PDRN) – Hautqualität
Polynukleotide, gewonnen aus Lachs-DNA, geben kein Volumen und formen nichts. Sie verbessern die Beschaffenheit der Haut selbst: Feuchtigkeitsbindung, Dichte und Elastizität.
Ihr wichtigster Einsatzbereich ist für mich die Augenpartie und die Tränenrinne. Die Haut ist dort sehr dünn, und klassische Filler führen an dieser Stelle leicht zu anhaltenden Schwellungen oder einem bläulich durchschimmernden Effekt. Polynukleotide umgehen dieses Problem, weil sie kein Volumen aufbauen, sondern die Hautqualität verändern.
Üblich sind mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen; das Ergebnis entwickelt sich allmählich.
Vor und nach einer Operation
Kollagenbooster und Polynukleotide setze ich häufig nicht als Alternative zu einem Eingriff ein, sondern begleitend dazu.
Vor der Operation kann eine Verbesserung der Hautqualität sinnvoll sein. Ein Gewebe mit besserer Durchblutung und Elastizität heilt anders als dünne, trockene Haut – und ein Facelift hebt an, es verbessert die Hautbeschaffenheit nicht.
Nach der Operation, wenn die Heilung abgeschlossen ist, lässt sich das Ergebnis feiner ausarbeiten: Hautqualität an der Augenpartie, Volumenverteilung im Mittelgesicht, Kontur an Kieferlinie und Hals. Ein Facelift verlagert Gewebe – es ersetzt kein verlorenes Volumen und verändert die Haut nicht.
Wann genau eine solche Behandlung sinnvoll ist und wie lange nach einem Eingriff gewartet werden sollte, bespreche ich individuell. Zu früh behandelt, lässt sich das Ergebnis nicht sicher beurteilen.
Filler mit Hyaluronsäure – Volumen und Kontur
Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der Wasser bindet. Als Gel eingebracht, gleicht sie Volumenverluste sofort aus und formt Konturen – an Wangen, Kinn und Kieferlinie, bei eingesunkenen Bereichen oder zur Modellierung der Lippen.
Der Effekt ist unmittelbar sichtbar, das Material wird über Monate abgebaut. Ein praktischer Vorteil: Hyaluronsäure lässt sich mit einem Enzym wieder auflösen, wenn ein Ergebnis korrigiert werden muss.
Ich setze Filler gezielt und zurückhaltend ein – dort, wo tatsächlich Volumen fehlt. Wo Gewebe abgesunken ist, führt Auffüllen nicht zu einem jüngeren, sondern zu einem volleren Gesicht.
Welches Prinzip wann
| Ihr Anliegen | Passendes Prinzip |
| Allgemeiner Substanz- und Spannungsverlust im Gesicht | Poly-L-Milchsäure |
| Unscharfe Kieferlinie, erschlaffter Hals oder Dekolleté | Calciumhydroxylapatit |
| Dünne, müde Haut an Augenpartie und Tränenrinne | Polynukleotide |
| Vorbereitung oder Feinarbeit rund um einen Eingriff | Kollagenbooster oder Polynukleotide |
| Eingefallene Wangen, schmale Lippen, fehlende Kontur | Hyaluronsäure |
| Mimische Falten an Stirn und Augen | Botulinumtoxin – siehe Faltenbehandlung |
Häufig ist eine Kombination sinnvoll. Ebenso häufig rate ich davon ab, alles gleichzeitig zu machen – schrittweise Behandlungen lassen sich besser beurteilen und korrigieren.
Wann ich abrate
- bei akuten Entzündungen oder Infektionen im Behandlungsgebiet
- in Schwangerschaft und Stillzeit
- bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber Bestandteilen des Präparats
- bei Erwartungen, die mit einer Unterspritzung nicht erfüllbar sind – abgesunkenes Gewebe muss angehoben, nicht aufgefüllt werden
- kurz vor einem wichtigen Termin, weil Schwellungen und kleine Blutergüsse einige Tage brauchen
Ablauf und Erholung
Die Behandlung erfolgt ambulant, meist mit örtlicher Betäubung oder betäubender Creme, und dauert je nach Umfang etwa 20 bis 45 Minuten. Sie sind danach sofort wieder alltagsfähig.
Leichte Schwellungen, Rötungen oder kleine Blutergüsse sind normal und klingen in der Regel innerhalb weniger Tage ab. Ich empfehle, einen wichtigen Termin nicht direkt im Anschluss zu planen.
Risiken
Auch minimalinvasive Behandlungen sind medizinische Eingriffe. Schwerwiegende Komplikationen sind bei sachgerechter Technik und geeigneter Auswahl der Präparate selten.
Über mögliche Risiken, den zu erwartenden Verlauf und Ihre individuellen Voraussetzungen kläre ich Sie im persönlichen Gespräch ausführlich und rechtzeitig vor der Behandlung auf.
Beratung
Am Anfang steht eine Untersuchung. Ich schaue mir Hautqualität, Volumenverteilung und Gewebespannung an und sage Ihnen, welches Prinzip Ihr Anliegen tatsächlich löst – auch dann, wenn das ein anderes ist als das nachgefragte.